
Mt. Kenja 5200m

Mt. Kenya 5200m
Kletterexpedition am Mt. Kenya (5200m) – dem leuchtenden Berg
Walter Hölzler am 11.06.2007 - 21:06 Uhr
Das Mt. Kenya Massiv erhebt sich über die zentrale Hochebene von Kenia, etwa 95 Kilometer östlich des ostafrikanischen Grabenbruchs und 180 Kilometer nördlich von Nairobi. Aus der Ferne erscheinen seine beiden Gipfel Batian und Neilon wie ein weit entferntes Nest eines Vogels im Himmel zu schweben, oder – in Worten des Wakambastammes, die ungefähr 200 Kilometer entfernt leben – wie ein „Straußenhahn“. Auf sie wirkt der Kontrast des weißen Schnees vor dem schwarzen Fels des Mt. Kenya wie ein schwarzweißes Gefieder.
Tiefe Kraterlöcher, die sich mit Seen angefüllt haben oder von den Eismassen der Gletscher überlagert sind, einige Lavaströme und mehrere zurückgebliebene turm- und pyramidenartige Gipfel, die bis zu 5200 m hoch sind, zeugen noch von dieser Tätigkeit und ehemaligen Berghöhe. Während die weicheren oder poröseren Gesteine im Lauf der Jahrmillionen erodierten, blieben die zuletzt genannten harten Kerne recht gut erhalten. Weil der Vulkan über mehrere Jahrtausende nicht ausbrach, und wissenschaftlichen Studien zufolge wohl auch nicht mehr das Potential für weitere Ausbrüche hat, gilt er als erloschener Feuerberg.
Wie bereits erwähnt, nannten bzw. nennen die einheimischen Kikuyu und Kamba das riesenhafte Mount-Kenya-Massiv Kirinyaga und Kinyaa, was etwa „leuchtender Berg“ bedeutet. Dies gab später auch dem Staat den englischen Namen Kenia. Das Massiv gilt nach wie vor als der Thron des „Ngai wa Kirinyaga“, der Gott des Kirinyaga.
Das eisbedeckte Mount-Kenya-Massiv wurde 1849 für die westliche Welt „entdeckt“. Der deutsche Missionar Dr.Johann Ludwig Karpf war der erste Europäer, der das Bergmassiv mit seinen schnee- und eisbedeckten Gipfeln erblickte. Bei seiner Rückkehr berichtete er von der weißen Pracht am Äquator. Diese offensichtlich unglaubwürdige Botschaft vom „Schnee am Äquator“ wurde als Sinnestäuschung abgetan und erst 1883, vom britischen Forscher Joseph Tomson bestätigt.
Das Mount-Kenya-Massiv, das etwa 90 km lang und 55 km breit ist, besteht in seinem Zentrum, das von Nord nach Süd etwa 10 km lang und von Ost nach West etwa 15 km breit ist, zumeist aus spitzzackigen Gipfeln, die majestätisch über der Landschaft von Zentral-Kenia thronen. Das Massiv hat mit Batian (5.199 m ü. NN), Nelion (5.189 m) und Lenana (4.985 m) drei Hauptgipfel, welche die Namen wichtiger Massai-Häuptlinge tragen. Nahezu alle Gipfel des Zentralmassivs liegen oberhalb der Schneegrenze; wie bereits erwähnt, sind die Regionen, die zwischen den höchsten Gipfeln des Massivs liegen, stark vergletschert.
Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit und der tropischen Hitze, die vor allem in den tieferen und mittleren Gebirgsregionen dominieren, und der Kälte auf den Gipfeln ist eine Ersteigung der Bergwelt schon auf den Normalwegen ein recht anstrengendes Unterfangen.
Die bis zu 800 Meter hohen, zum Teil mit Eisrinnen durchzogenen Wände, bieten schwierigste Routen die den Mt. Kenya gleichwertig in die Reihe der anderen Weltberge stellen.
In der Nordwand gibt es nur wenige Steileisformationen. Sie besteht weitgehend aus zahlreichen großen grau-braunen Felspfeilern, an denen sich einige der besten Alpinisten der Welt mit großartigen Kletterrouten verewigt haben.
Diese Seite wirkt insgesamt düster und bedrückender, wohl auch weil das Lichtspiel fehlt, das für die Südwand so charakteristisch ist. Wenn man sie vom MacKinder Valley aus betrachtet, werden Batian und Neilon vom tiefen Einschnitt des Supercouloirs voneinander getrennt. Links von diesem liegt die spektakuläre Ostwand, die in ihrem Zentrum wegen ihrer Steilheit und Ausgesetztheit bisher jungfräulich und unerklettert blieb.
Im August 2007 möchte ich mit einem ausgesuchten Team an dieser Wand die schwierigste Freikletterroute am Äquator, in über 5000 Meter Höhe, entstehen lassen.
Wenn alle Voraussetzungen passen und das Wetter mitspielt, könnten wir einen
kleinen Meilenstein an einem der bekannten Weltberge setzen.
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