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Patrouille des Glaciers – Mythos, Geschichte und Begeisterung

Rolf Majcen am 08.04.2004 - 14:15 Uhr

In der Nacht vom 22. auf den 23. April 2004 findet die nächste Ausgabe der berühmten Patrouille des Glaciers statt.
Bevor Sie Sich in die Walliser Alpen und das Rhone-Tal entführen lassen: Mountains2b wird ab Sonntag, den 18. April aus Zermatt vom Fuße des Matterhorns berichten, von den Aufbauarbeiten bis zum Zieldurchlauf.

'Les grandes trois de ski de montagne'
Dieser außergewöhnliche Wettkampf zählt gemeinsam mit der Pierra Menta und der Trofeo Mezzalama zu 'Les grandes trois de ski de montagne', den drei bedeutendsten Hochalpinwettkämpfen im Alpenraum. Etwa 1000 Dreier-Teams aus 16 Nationen werden sich in den Walliser Alpen einer Herausforderung stellen, die in ihrer alpinen Dimension und Organisation weltweit wohl einzigartig ist.

Vorbild für unser tägliches Leben:
Adolf Ogi, UN-Sonderbeauftragter für Sport, hat die Patrouille des Glaciers wie folgt bezeichnet: "Jede Patrouille des Glaciers ist ein menschliches Abenteuer, eine außergewöhnliche Herausforderung. Diese große Begegnung zwischen Mensch und Gebirge nehme ich mir sehr zu Herzen, weil ich der tiefen Meinung bin, dass sie als Vorbild für unser tägliches Leben dient."

Magisches Rennen:
Die Patrouille des Glaciers ist ein magisches Rennen, das eine einzigartige Anziehungskraft ausstrahlt. Kein anderer Tourenski-Wettkampf der Welt zieht so viele Leute an, die daran teilnehmen wollen und das, obwohl die Patrouille des Glaciers das längste Rennen ist, das in einer einzigen Etappe ausgetragen wird.

53 Kilometer Distanz, knappe 4000 Höhenmeter Aufstieg:
Ein Blick auf die Landkarte zeigt, dass zwischen dem Start in Zermatt im Osten und Verbier, dem Ziel, im Westen 53 Kilometer liegen, verteilt auf 3994 Höhenmeter im Aufstieg und 4090 bei der Abfahrt, die erst einmal mit den eigenen zwei Beinen in der großen Höhenlage und in schwierigem Terrain bewältigt werden müssen. Um aber auch weniger gut trainierten Menschen die Möglichkeit zu geben, den Mythos der Patrouille des Glaciers zu erleben, zu spüren, zu fühlen wird neben der traditionellen langen Strecke auch eine kurze Strecke angeboten, bei der die Wettkämpfer erst in Arolla, also bei Halbzeit der langen Strecke, in den frühen Morgenstunden ins Rennen geschickt werden.

Militärisch und zivil:
Die Patrouille des Glaciers ist ein internationaler militärischer Wettlauf, der auch zivilen Patrouillen offen steht.

Streckenführung und Ausrüstung:
Die klassische Strecke führt von Zermatt (1616m) über Schönbiel (2660m) auf die Tete Blanche (3650m) und weiter über Col de Bertol (3279m) und Plans de Bertol (2664m) nach Arolla (1980m). Von dort führt die Route auf den Col de Riedmatten (2919m) und über Pas du Chat (2581m) gelangt man nach La Barma (2458m). Der dritte Aufstieg führt auf die Rosablanche (3160m). Dort beginnt der letzte Abschnitt über den Col de la Chaux (2940m) und Les Ruinettes (2195m) nach Verbier (1520m). Diese Route wird unter Skibergsteigern auch als 'Haute Route Nordvariante' bezeichnet. Während bei fast allen Wettkämpfen, die im Pistenskigebiet ausgetragen werden, nur ein kleiner Leichtrucksack für Reservefelle, eine dünne Windjacke und eine Rettungsdecke notwendig ist, so haben die Teilnehmer an der Patrouille des Glaciers schwere Rucksäcke zu schleppen, in denen die Hochgebirgsausrüstung, samt Seil und Funkgerät, verstaut sein muss.

Mächtige Anstiege:
Das einmalige Rennen ist geprägt von drei gewaltigen Anstiegen, zur Tete Blanche, zum Col de Riedmatten und zur Rosablanche, von Gletscherbegehungen, von langen Abfahrten, von Passagen, bei denen die Ski getragen werden müssen, sei es im Fels, im Schnee oder im Eis, vom Ehrenspalier der Zuschauer am Start, im Ziel und bei der Rosablanche, vom langen Marsch in der Nacht und von unendlich vielen Eindrücken, die jeder einzelne Kilometer dieser Strecke bietet.

Zahlreiche Helfer:
Jede Auflage der Patrouille des Glaciers ist ein Erfolg und dies Dank der Arbeit von über 1000 (!) Armeeangehörigen und Freiwilligen, die effizient arbeiten, um den Wettkämpfern zu ermöglichen, mit einem Maximum an Sicherheit in den Hochalpen einen Wettlauf abzuhalten.

Veranstalter: Schweizer Armee
Die Patrouille des Glaciers wird von der Schweizer Armee veranstaltet. Ohne die Hilfe der Armee wäre keine Patrouille des Glaciers möglich, denn nur diese kann die gigantischen Mittel aufbieten, die dieser außergewöhnliche Wettkampf erfordert. 30 Tonnen Material müssen ins Hochgebirge geflogen werden. Stundenlang dauert das Ballet der Hubschrauber. Der Wert des gesamten verwendeten Materials beträgt mehr als fünf Millionen Euro! Insbesondere um die Sicherheit der Teilnehmer während des Wettkampfes zu garantieren, muss der Ablauf bis ins kleinste Detail vorbereitet werden. Jede Patrouille erhält ein auf Empfang geschaltetes Funkgerät für den Notfall. Immerhin ist der gefährlichste Abschnitt des Wettkampfes in der Finsternis zu bewältigen, in fast 4000 Meter Höhe!

Sicherheit steht an erster Stelle:
Die Entscheidung, ob die Patrouille des Glaciers gestartet wird, obliegt dem Wettkampfkommando (Gebirgsdivision 10 in Sitten), das mit seinem technischen Leiter während den Wochen vor dem Wettkampf die Verhältnisse in den verschiedenen Gebieten wie dem Stockjigletscher, dem Glacier du Mont Mine, der Abfahrt zu Plan Bertol, dem Pas du Chat, dem Colouir de Rosablanche sowohl zu Fuß als auch mit Ski laufend überprüft. Zudem berichten das Institut für Schnee und Lawinen in Davos, das meteorologische Institut in Zürich und die Wetterdienste von Cointrin und Locarno in Zusammenarbeit mit Bergführern der jeweiligen Region dem Wettkampfkommando regelmäßig über die herrschenden Verhältnisse. In der Woche vor dem Wettkampf treffen sich die Verantwortlichen täglich mit den Spezialisten um die Sicherheit der Strecke zu besprechen. Die endgültige Entscheidung, ob das Rennen gestartet wird, fällt erst um 22.00 Uhr des Tages vor dem Start. Die Entscheidung wird auch während des Wettkampfes regelmäßig überprüft und von Verbier aus mittels Telefon- und Funkverbindung zu verschiedenen der insgesamt 13 Posten überwacht, bis die letzte Patrouille das Tal erreicht hat.

Die ersten Schritte:
Im Jahr 1939 kam es zu einer zufälligen Begegnung zwischen den Offizieren Rodolphe Tissières und B. Bournissen. Während in der Schweiz das Gerücht der Mobilmachung umging unternahm Rodolphe Tissières die Haute Route zu seinem Vergnügen. B. Bournissen war hierher gekommen, um eines Freundes zu gedenken, der im vorigen Jahr in einer Gletscherspalte zu Tode gestürzt war. Und sie trafen sich später an der gleichen Stelle wieder, sie tauschten Erinnerungen aus, sie erarbeiteten Vorschläge und die Idee der Patrouille des Glaciers war geboren. Wäre ein Wettlauf vorstellbar, der in einer Etappe Zermatt mit Verbier verbände? Könnte die Ausdauer der Hochgebirgssoldaten in einem Winterwettkampf getestet werden, den diese in Dreierpatrouillen in einer einzigen Etappe über die 'Haute-Route' von Zermatt nach Verbier bestreiten sollten?

Erstauflage 1943:
Natürlich mussten die militärischen Autoritäten von dieser Idee überzeugt werden und so fand im Jahr 1943 die erste Patrouille des Glaciers statt. Diese ist sehr gut verlaufen. Die Ausgabe von 1944 auch. Aber wenig später, der Krieg war zu Ende, haben die Oberbefehlshaber der Schweizer Armee beschlossen, dass die Patrouille des Glaciers nicht mehr ausgetragen wird, weil diese infolge des mehrjährigen Aktivdienstes auf massiven Widerstand bei der Bevölkerung gestoßen war.

Zur Fortsetzung ...


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