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Georg Csak

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Interview mit Georg Csak (Arctic Summits): "Die Aufregung steigt!"

M2b Redaktion am 11.03.2008 - 12:26 Uhr

Georg Csak und Dominik Rind werden sich nach langer Vorbereitung und vielen Rückschlägen Mitte April endlich auf den Weg nach Grönland machen, um dort die vier höchsten Gipfel im Eis zu besteigen. Ihr ehrgeiziger Plan sieht zudem mehrere Erstbesteigungen vor, bis zu acht wollen sie schaffen. Mountains2b sprach mit dem Expeditionsleiter Georg Csak über den Stand der Dinge, die Gefahren und die Erlebnisse bei der Vorabexpedition Ende des Jahres 2007.

Mountains2b: Hallo Georg! Nachdem ihr aufgrund des Unfalls von Dominik lange auf den Start eurer Expedition warten musste, soll es nun Mitte April losgehen. Wie ist eure Gemütslage, seid ihr nervös, gespannt, zuversichtlich?
Georg Csak: Zweieinhalb Jahre lang haben wir diese Expedition vorbereitet. Nun sind es nur noch wenige Wochen bis wir bei bitterer Kälte im ewigen Eis stehen werden – und dann fünf Wochen lang ein heißes Bad nur in unseren Träumen sehen werden. Diese Vorstellung ist schon noch etwas bizarr.
Ganz klar, so kurz vor dem Expeditionsstart steigt die Aufregung von Tag zu Tag. Denn obwohl wir uns gut vorbereitet haben, verbleiben bei einer Expedition immer offene Fragen, die eventuell auch über Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens entscheiden können. Wie wird das Wetter? Wie werden die Schnee- und Eisverhältnisse? Wird der Wind uns helfen? Wie sind die Spaltenverhältnisse dieses Jahr? Wird das Material halten? Haben wir wirklich an alles gedacht, und wird unser ehrgeiziger Plan aufgehen?

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Mountains2b: Wie wird eure Expedition ablaufen, was habt ihr vor?
Georg Csak: Unser Ausgangspunkt in Ost Grönland ist Constable Point - eine kleine Schotterpiste in der Nähe des 550 Einwohner zählenden Ortes Ittoqqortoormiit. Von hier geht es per Helikopter über den Scoresby Sund, den weltgrößten Fjord. An seiner maximalen Reichweite wird der Helikopter uns im ewigen Eis absetzen. Das ist dann der Moment der Wahrheit! Von dieser Position in Knud Rasmussens Land sind es noch ca. 140 Kilometer Skimarsch bis zu unserem ersten Expeditionsziel den Watkins Mountains. Auf dem Weg dorthin gilt es zwei Gebirgsketten zu überwinden. Eine davon ist noch nie zuvor von Bergsteigern besucht worden, und so planen wir schon dort einen Aufenthalt mit zwei oder drei Erstbesteigungen um die 3000 . In den Watkins Mountains wollen wir als erste deutsche Expedition die vier höchsten Berge Grönlands (bis 3693 m) besteigen und als erste überhaupt von diesen vier höchsten Gipfeln nördlich des Polarkreises mit Skiern abfahren. Danach ist die Expedition noch lange nicht beendet. Unser Abholpunkt liegt gute 200 Kilometer weiter nördlich, im ebenfalls noch nie von Bergsteigern besuchten Paul Stern Land. Um diese gewaltige Distanz über den Rand des Inlandeises zu überwinden, setzen wir auf die Hilfe der Windkraft. Snowkites sollen uns helfen, die Strecke schnell genug zu überwinden, so dass uns weiter genug Zeit zum Bergsteigen verbleibt. Denn auf halber Strecke gilt es ein weiteres Gebirge zu überwinden. Die Gronau Nunatakker. Sie wurden 1931 vom deutschen Piloten Wolfgang von Gronau entdeckt und seit ihrer Erstdurchquerung 1934 durch Martin Lindsay nur von drei weiteren Expeditionen besucht. Auch hier ist noch Potential für Erstbesteigungen.

Mountain2b: Mit einer Expedition zu den höchsten Bergen Grönlands sind viele Gefahren verbunden: Eisbären, Gletscherspalten, Wind, Kälte, Schneestürme, und vieles mehr. Wovor habt ihr am meisten Respekt?
Georg Csak: Ganz objektiv betrachtet stellen Gletscherspalten die größte und unberechenbarste Gefahr der Expedition dar. Man darf nicht vergessen, wir halten uns fünf Wochen lang ununterbrochen auf vergletschertem Gelände auf. Und es wird nicht möglich sein, permanent am Seil zu laufen oder gar zu kiten. Ganz abgesehen davon wäre ein Spaltensturz eines Seilpartners mit einem gut 100 Kilogramm schweren Schlitten durch den anderen kaum zu bremsen. Die Spaltengefahr ist mit ein Grund, warum wir die Expedition vergleichsweise früh im Jahr bei eisiger Kälte durchführen. Da sind die Brücken deutlich stabiler als im Sommer. Die großen Bruchzonen haben wir auf Satellitenbildern identifizieren können und unsere Route entsprechend gewählt. Es wird aber auch sehr auf das Gespür vor Ort ankommen, der Untergrund ist unberechenbar.

Mountains2b: Vor etwa vier Monaten seid ihr in Grönland zu einer Vorabexpedition gewesen. Was habt ihr dort gemacht und wie habt ihr dort eure Tour vorbereitet?
Georg Csak: Ein Problem, das die Verschiebung der Expedition mit sich brachte war, dass unsere gesamte Ausrüstung sich bereits in Grönland befand. Einen Teil davon wollten wir für das Wintertraining in den Alpen zurückholen. Außerdem mussten wir unsere Vorräte inspizieren und teilweise neu aufstocken und alles für die Überwinterung in Grönland vorbereiten.
Einmal vor Ort nutzten wir die Gelegenheit auch zu einer 14-tägigen Trekkingtour durch die nahen Roscoe Bjerge und zu kleineren Bergbesteigungen an der Küste. Dominiks Fußgelenk war damals gerade so wieder verheilt. Aber klettern mit Steigeisen bereitete ihm noch große Schmerzen. Heute ist Gott sei Dank von der Verletzung nur noch die Narbe geblieben.

Mountains2b: Was sind die Schwierigkeiten bei den Gipfeln, die ihr besteigen wollt? Sind sie bergsteigerisch schwer oder ist das Hauptproblem der Umgang mit den äußeren Einflüssen?
Georg Csak: Die meisten unserer Besteigungen werden in den Schwierigkeitsgraden PD (wenig schwierig) bis AD+ (ziemlich schwierig, plus) liegen. Es wird sich grundsätzlich um reine Eisrouten bis ca. 60º Steilheit handeln, da der Fels in diesen Breiten aus extrem brüchigem Basalt besteht.
Ich sehe die Herausforderung eher in ihrer Gesamtheit. Es ist die völlige Abgeschiedenheit der Berge, die den Ehrgeiz unserer Ziele ausmacht. Man darf nicht vergessen, dass alleine der An- und Abmarschweg mehr als einer halben Grönlanddurchquerung entspricht. Die daraus resultierende lange Dauer der Expedition und die notwendige logistische Planung machen das Unternehmen zu einem Abenteuer. Kälte und Witterung tragen natürlich zu den Schwierigkeiten bei.

Mountains2b: Ihr wollt in Grönland nach dem Motto "by fair-means" bewegen. Was bedeutet euch dieser Gedanke und wie steht ihr zu Expeditions- und Bergtourismus im Himalaya, den Anden oder am Kilimanjaro?
Georg Csak: Bergsteigen „by fair means“ heißt: aus eigener Kraft und ohne künstliche Hilfsmittel. In unserem Fall also auch ohne externe logistische Versorgung. Für uns heißt „by fair means“ außerdem auch fair der Umwelt und unseren Nachfolgern gegenüber. Wir werden keinerlei Material oder Müll in Grönland hinterlassen. Eigentlich sollte dies ja selbstverständlich sein, leider ist dies aber - um auf deine Frage zurückzukommen - nicht immer der Fall.
Wir haben unsere Expedition von Grund auf selbst organisiert. Mich persönlich reizt es nicht mit 200 oder auch nur 20 anderen auf einem Gipfel zu stehen. Möchte ich deshalb kommerzielle Expeditionen oder Massentourismus auf Expeditionsbergen verurteilen? Nein, nicht pauschal, denn wo zieht man die Grenze, eine schwierige Frage.
Was wir aber in jedem Fall fordern, ist der sorgsame Umgang mit der Natur. Das ist eine Einstellungssache, etwas das jeder für sich umsetzen kann. Völligst egal ob Mülldeponie im Base Camp oder Schokoladenpapier auf der Alpspitze. Was ich hochtragen konnte, werde ich ja wohl auch wieder runter tragen können!

Mountains2b: Gehen wir von einer erfolgreichen Expedition aus. Habt ihr schon neue Ziele oder werdet ihr danach erstmal Abstand von Bergen, Eis und fernen Ländern nehmen?
Georg Csak: Ideen hat man immer. Zunächst gilt aber unsere volle Aufmerksamkeit der Arctic Summits Expedition. Abstand von Bergen? Naja, sicher wird es in Grönland Situationen geben, in denen wir uns fragen werden wofür die ganze Qual gut ist. Aber der Berg hat einen noch nie enttäuscht. Und die Erfahrung zeigt, es dauert im gemütlichen zu Hause angekommen nie lange bevor man neue Pläne schmiedet. Bergsteigerschicksal eben.

Mountains2b: Herzlichen Dank und viel Erfolg auf dem Trip ins hoffentlich ewige Eis.


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