In den Jahren 1900 bis 1960 erlebten das Allgäu und das Tannheimer Tal seine Hochzeit in Bezug auf Alpingeschichte. Gimpel Nordwand, Rote Flüh Südwand, Kleiner Wilder Südverschneidung, Schneck Ostwand und Höfats Nordwand waren klingende Namen in der damaligen Szene der deutschen und österreichischen Kletterelite.
Abwanderung in andere Gebiete
Doch als das Sportklettern in den Alpen Einzug nahm, waren höchstens noch die Tannheimer Südwände gefragt. Nicht sehr lange - denn auch dort verabschiedeten sich die wirklich guten Leute, als mehr und mehr Unfälle wegen Fels- und Hakenausbruch bekannt wurden. Ein hoch kochender Bohrhakenstreit unterstütze die Abwanderung in andere Gebiete. Das Rätikon, das Wettersteingebirge und der wilde Kaiser erlebten nun einen ungeahnten Aufschwung.
Neue Generation von Sportkletterern Ende der Achtziger
Die Allgäuer Berge fand man nur noch in klassischen Bergsteiger-Zeitschriften unter der Rubrik "landschaftlich und botanisch zu empfehlende Wander- und Kletterrouten". Doch Ende der achtziger Jahre machte sich eine neue Generation von Sportkletterern aus dem Allgäu auf den Weg, um Versäumtes aufzuholen.
Allgäu heute: Bekanntes Alpin- und Sportklettergebiet
Jetzt, rund 20 Jahre später, hat sich die Region in und um das Allgäu herum zu einem bekannten Alpin- und Sportklettergebiet, weit über die Grenzen Deutschlands hinaus, entwickelt. Es gibt eine Vielzahl von hervorragend ausgerüsteten Klettergärten mit leichten, aber auch schwierigsten Kletterrouten. Alpine Klassiker wurden saniert und erfreuen sich jetzt wieder großer Beliebtheit.
Im Tannheimer Tal ist der Bohrhakenstreit aufgelöst und im Sinne der Sicherheit entschieden. Glatte Wandpartien und kompakte Überhänge konnten nun mit modernen Sicherungsmitteln angegangen werden, so dass im Rahmen einer Nacherschließungswelle erst jetzt die schönsten Routen entstanden.
Kletterführer: Nachfrage bestimmt das Angebot
Auch die Führerautoren widmeten sich nun mehr diesem Gebiet. Früher gab es alle 20 Jahre einen neuen Alpenvereinsführer, heute erscheinen im drei bis vier Jahresrhythmus gute Kletterführer auf dem Markt. Ein Zeichen, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt.
Neuer Allgäu-Kletterführer von Achim Pasold
Soeben erhielt ich noch druckfrisch den neuesten aller Allgäu-Kletterführer: Der unermüdliche Autor Achim Pasold bringt nun seine 5. Auflage des Allgäu/Tannheimer Tal Auswahlführers auf den Markt. Auch bei ihm bleibt die Zeit nicht stehen: In seiner aktuellen Reihe sind die Topos noch übersichtlicher und genauer dargestellt. Alle Wand- und Routenbilder sind in Farbe und machen schon beim Durchstöbern Lust auf den ein oder anderen Kletterweg.
Bei den Allgäuer Klettergärten hat sich Pasold etwas zurückgehalten, und nur eine kleine Auswahl vorgestellt, denn seit letztem Jahr ist der "Allgäu-Sportkletterführer", erschienen im GEBRO-VERLAG, auf dem Markt. Umso mehr hat Achim Pasold dafür auch etwas leichtere alpine "Schmankerl" in den Allgäuer Bergen gesucht und gefunden.
Als Allgäu-Kletterer und Insider kann ich diesen Auswahlführer nur bestens empfehlen!
Weitere Fakten zum Kletterführer "Allgäu"
"Dieses Allgäu ist nicht das Rätikon, das hat man deutlich gesehen."
Wäre Franz Beckenbauer Kletterer, wären das wohl seine denkwürdigen Worte zum Thema gewesen. Und recht hätte er wieder einmal gehabt, denn der Fels ist in den Allgäuern nicht überall kompakt und die Wände keine mauerglatten Fluchten, aber dafür ist man vom Südwesten Deutschlands aus in keinem Gebirge so schnell wie im Allgäu. Ein Argument, das sticht. Von der landschaftlichen Schönheit und der einmaligen Blumenpracht mal ganz abgesehen.
Das ist er, der neue Kletterführer "Allgäu", inklusive Tannheimer Tal: Komplett in Farbe, alle Topos überarbeitet, alle Routen in Wandfotos eingezeichnet, jede Menge neue Routen und - auch das gibt's heute noch - ganz neue Berge. Auch eingefleischte Gebietskenner werden auf den 288 prallvollen Seiten Neues finden.