
Laetitia Roux (FRA)

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Interview mit Laetitia Roux (FRA) - 05/2007
M2b Redaktion am 09.05.2007 - 15:00 Uhr
Besonders zum Ende der Skibergsteiger-Saison 2007 hat die Französin Laetitia Roux mächtig für Furore gesorgt. In ihrer Heimat feierte sie den Französischen Meistertitel, und ließ einstige Vorbilder wie Corinne Favre oder Véronique Lathuraz hinter sich. Auf internationalem Parkett avancierte die 21-Jährige ebenso schnell von der Jägerin zur Gejagten – absolutes Highlight war sicherlich ihr Auftritt bei der EM in Morzine-Avoriaz: sowohl im Vertical- als auch im Single Race war Roux von keiner Konkurrentin zu schlagen, und holte folgerichtig Gold in den Kategorien Espoirs und Senioren. In beiden Rennen verwies die Französin die favorisierten Italienerinnen Roberta Pedranzini und Gloriana Pellissier auf die Silber- und Bronzeränge. Das gleiche Bild sah man schließlich bei den letzten beiden Weltcups in Österreich und Italien: kein Weg führte vorbei an Laetitia Roux, die sich damit den Gesamtweltcup bei den Espoirs sicherte, und in der Seniorenwertung Gesamtdritte im Weltcup wurde. Wir haben die junge Athletin zu ihren Saison-Eindrücken befragt.
Mountains2b: Laetitia, herzliche Gratulation zu deinem grandiosen Saisonfinale! Zuletzt hast du ja wirklich alles abgeräumt, was es für die internationale Elite zu holen gab... Hast du dir derartige Ergebnisse erträumt? Was war deiner Meinung nach ausschlaggebend für deine Erfolge, und wie erklärst du dir deine herausragende Form?
Laetitia Roux: Erst einmal vielen Dank für die Glückwünsche! Nein, ich hätte sicherlich nie gedacht, die Italienerinnen, Französinnen oder Schweizerinnen in diesem Jahr herausfordern zu können!
In der vorherigen Saison war ich noch überglücklich und überrascht, den WM-Titel im Vertical Race bei den Espoirs gewonnen zu haben – schließlich war dies mein erstes Wettkampfjahr überhaupt und ich konnte mich vor Favoritinnen wie Marie Troillet (SUI) platzieren - das war unglaublich! Dagegen waren die Seniorinnen noch weit weg für mich... Ich habe sie damals mit Bewunderung betrachtet und hatte den Traum, eines Tages auf ihr Niveau zu kommen!
Zu Beginn der diesjährigen Saison lautete meine Zielsetzung dann, den Titel in der Espoirs-Kategorie zu verteidigen - und warum nicht auch einen dritten Platz bei der EM im Single Race zu holen... Aber ich hätte mir wirklich nie vorgestellt, direkt im ersten Anlauf auf's Podest zu klettern!
Was es mir erlaubt hat, die besagten Rennen zu gewinnen? Nun, ich denke, das hängt unter anderem mit der Strenge und Disziplin zusammen, mit der ich meinen Alltag bewältige: Ich studiere Bewegungstherapie, was mir wenig freie Zeit lässt. So bin ich gezwungen, viele Zugeständnisse zu machen, mein
Training und meine Kurse immer im Voraus zu planen... auf eine gute Lebenshygiene zu achten, und besonders sehr motiviert und bestimmt zu sein. Gerade im
Training muss man viel investieren, damit es wirklich effizient ist! Außerdem glaube ich, dass mentale Stärke besonders stark in unseren Sport hinein spielt.
Die EM, die ja für dich mehr als erfolgreich verlief, hat 2007 in deinem Heimatland Frankreich stattgefunden. Hatte dies für dich eine besondere Bedeutung? Wie war die Stimmung dort?
Laetitia Roux: Ich war auf jeden Fall sehr glücklich, zuhause laufen zu können – und sicherlich umso mehr, vor heimischer Kulisse zu gewinnen! Die Vorbereitung auf die EM hat sich für mich durch diesen Umstand jedoch nicht großartig verändert - dagegen ist aber die Kommunikation während der Rennen viel einfacher, wenn man im eigenen Land ist. Ich wurde sehr stark von allen unterstützt, darüber hinaus kannte ich einige der Organisatoren und freiwilligen Helfer - also war die EM sehr sehr angenehm für mich.
Die Stimmung bei solchen Veranstaltungen ist aber eigentlich immer sehr gut – sei es im Weltcup oder bei den Meisterschaften. Ich schätze es überall gleich hoch ein, Läufern aus den anderen Nationen begegnen zu können. Und jedes Mal, wenn ich die Chance erhalte, neue Athleten zu treffen, lerne ich neue Dinge - sei es auf sportlicher oder insbesondere auf menschlicher Ebene. Ich habe dann wirklich das Gefühl, in "meiner Welt" zu sein, verstanden zu werden und ebenso die anderen zu verstehen! Die Menschen sind allesamt so wunderbar und beeindruckend, so dass ich im Milieu des Skibergsteigens komplett aufblühe!
Auch die Organisation der internationalen Rennen war wirklich top, dazu die Sonne und die sehr unterschiedlichen Strecken... perfekt!
Was war denn dein ganz persönlicher Saison-Höhepunkt?
Laetitia Roux: Ich glaube, das war das Finale des Weltcups in Madonna di Campiglio. Dort wollte ich meine Leistung von der EM bestätigen und es somit schaffen, die Form bis zum Ende der Saison zu halten – was mir ja gelungen ist...
Wie du bereits gesagt hast, bist du Studentin der Bewegungstherapie. Wie kannst du Studium und Sport überhaupt unter einen Hut bringen? Wie hoch ist dein Trainingspensum?
Laetitia Roux: Für mich persönlich besteht das Geheimnis darin, es während der Skisaison – freiwillig – zu schaffen, wie vom Rest der Welt abgeschnitten zu leben. Meine Aktivitäten sind dann limitiert auf mein Studium und auf das Skifahren! Dadurch habe ich natürlich kaum mehr Zeit, etwas mit meinen Freunden oder meiner Familie zu unternehmen. Das ist sicherlich nicht einfach - weder für mich, noch für die Menschen in meinem Umfeld...
Abhängig von meinen schulischen Verpflichtungen variiert mein Trainingsaufwand jedoch enorm. Ich versuche aber, mich anzupassen, indem ich eine intensive Ski-Einheit unter der Woche und zusätzliche Einheiten am Wochenende absolviere, und andernfalls kleinere Laufeinheiten einschiebe oder, so oft es möglich ist, Rad fahre. Das verlangt weniger Zeit!
Wie bist du eigentlich zum Skibergsteigen gekommen? Was macht für dich den besonderen Reiz an dieser Sportart aus?
Laetitia Roux: Ich habe bereits mit zwei Jahren angefangen, Ski zu fahren – ich war schon immer sehr sportlich. Als ich klein war, konnte ich nichts abwarten, und stand ständig unter Strom! Als ich neun Jahre alt war, hat mich mein Vater dann zum Skibergsteigen gebracht. Zu jener Zeit haben ich besonders die Abfahrten genossen. Im Milieu des Wettkampf-Skibergsteigens bin ich dann eher zufällig gelandet: irgendwann im Herbst 2005 konnte mich ein Freund, der der Gruppe FFME PACA angehörte, dazu motivieren, mich in die Gruppe zu integrieren. Einmal den Wettbewerbsgeist erlebt, bin ich fortan seinen Ratschlägen gefolgt – was mich da hin gebracht hat, wo ich jetzt bin. Ihm gebührt mein großer Dank!
Das Faszinierende am Skibergsteigen ist für mich das Komplette an dieser Sportart: man braucht eine sehr gute Ausdauer, muss aber auch die Abfahrt beherrschen. Außerdem liebe ich die Berge so sehr...
Betreibst du sonst auch noch andere Sportarten? Wie wirst du den (schneefreien) Sommer verbringen?
Laetitia Roux: Aktuell praktiziere ich auch andere Sportarten, ja – von allem ein bißchen; Hauptsache in der freien Natur: VTT, klettern, Berglauf... In diesem Sommer, speziell im Juni und Juli, werde ich allerdings sehr stark durch verschiedene Praktika im Studium beansprucht.
Welche Ziele verfolgst du für die Zukunft?
Laetitia Roux: Mein generelles Ziel für die Zukunft ist, das Skibergsteigen weiter während meines Studiums zu verfolgen. Da das nächste Jahr aber mein letztes Jahr vor dem Staatsdiplom ist, wird es nicht unbedingt einfach werden. Im Fokus wird in der nächsten Saison sicherlich die Weltmeisterschaft stehen - und danach wird man sehen!
Laetitia, vielen Dank für das Interview, und weiterhin viel Erfolg bei all deinen Vorhaben!
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