EM 2007 in Birmingham: David Lama und Juliette Danion holen die Titel
M2b Redaktion am 19.03.2007 - 15:00 Uhr
David Lama (AUT) und Juliette Danion (FRA) sind die neuen Europameister in der Disziplin Bouldern. Bei der EM 2007 in Birmingham vom 16. bis zum 18. März verwies das Duo Nalle Hukkataival (FIN) und Tomás Mrázek (CZE), beziehungsweise Olga Shalagina und Olga Bezhko (beide UKR) auf die weiteren Medaillenränge.
Knapp 100 Sportler am Start
Insgesamt waren 57 Herren und 41 Damen in Birmingham am Start, darunter die komplette Boulder-Weltelite - mit Ausnahme des Weltcup-Gesamtsiegers von 2006, Jérôme Meyer, der nicht in England antrat. Wie schon die Boulder-Weltcups in den Jahren zuvor fand auch die EM in Birmingham im Rahmen der "Ordnance Survey Outdoors Show" auf dem Messegelände (National Exhibition Centre NEC) statt, und wurde vom British Mountaineering Council BMC ausgerichtet.
Qualifikation verlangt den Athleten alles ab
In der Herrenkonkurrenz lief es für den späteren Sieger David Lama schon in der Qualifikation sehr gut, und er schaffte als einer von nur fünf Herren vier Tops an sechs Bouldern. Für manch einen Favoriten war bereits an dieser Stelle Endstation: so kam Lama's Landsmann Kilian Fischhuber, Gesamtzweiter im Boulder-Weltcup 2006, nicht über Platz 23 hinaus.
Markus Hoppe bester Deutscher
Auch für die deutschen Athleten war die EM nach dieser sehr hochklassigen Qualifikation beendet: als bester Deutscher platzierte sich Markus Hoppe wie Fischhuber mit zwei Tops in zwei Versuchen auf Platz 23; Jonas Baumann wurde 37. (zwei Tops, drei Versuche), Aric Merz 47. (ein Top, ein Versuch) und Peter Würth kam auf Platz 49 (ein Top, zwei Versuche).
Die 20 Herren, die den Sprung ins Halbfinale geschafft hatten, konnten hingegen mindestens drei Tops in sechs Versuchen und vier erreichte Zonengriffe aufweisen.
Bundestrainer Christoph Finkel zum Abschneiden seiner Truppe: "Eine EM ist natürlich schon wichtig, aber unser Fokus liegt auf dem Weltcup, der in Erlangen los geht. Die Jungs haben ihre Aufgabe gut erledigt, es ging sehr knapp zu in der Qualifikation. Die Leistungsdichte und -qualität ist extrem hoch, wie die Wertungen zeigen."
15 Damen können alle Boulder knacken
Während bei den Herren keiner der Teilnehmer alle sechs Qualifikationsboulder vollenden konnte, gelang dieses Kunststück in der Damenqualifikation immerhin 15 Athletinnen, die sich damit natürlich im Halbfinale wieder fanden. Die fünf weiteren Halbfinalistinnen hatten mindestens vier Boulder in fünf Versuchen absolviert.
Knifflige Probleme auch im Halbfinale
Im Halbfinale galt es anschließend, vier Boulder zu überwinden - dies gelang bei den Herren David Lama in sechs Versuchen, und Dmitry Sharafutdinov (RUS) in neun. Die weiteren Herren, die sich für das Finale qualifizierten, schafften mindestens drei Tops in wenigstens fünf Versuchen. Daniel Dulac (FRA), Europameister von 2004, beendete den Wettkampf an dieser Stelle auf dem zwölften Rang.
Bei den Damen konnten Sabine Bacher (AUT) und die amtierende Boulder-Weltmeisterin Olga Shalagina (UKR) in jeweils fünf Versuchen alle Halbfinalboulder komplettieren, während für die restlichen vier Finalplätze bei den Damen mindestens drei Tops und wenigstens fünf Versuche von Nöten waren. Wenn man bei den Herren das Ausscheiden von Kilian Fischhuber in der Qualifikation wohl als die größte Überraschung bezeichnen kann, so war diese bei den Damen die verpasste Finalteilnahme von Olga Bibik: Die Russin, Europameisterin von 2004 und Weltcup-Gesamtsiegerin 2006, wurde am Ende Zehnte.
Spannendes Herren-Finale
Im Finale der Herren lieferten sich sodann David Lama (AUT) und der Finne Nalle Hukkataival ein heißes Duell.
Hukkataival, der in der Qualifikation das beste Ergebnis in der Herrenkonkurrenz aufwies und wie Lama an diesem Tage sehr gut aufgelegt war, machte bis dato weniger im Boulder-Weltcup auf sich aufmerksam, konnte 2006 jedoch den Boulder-Bewerb beim legendären Rockmaster in Arco gewinnen, und wurde Fünfter bei der WM 2005 in München.
David Lama hingegen, mit seinen 16 Jahren jüngster Teilnehmer in Birmingham, wurde 2006 Europameister im Lead bei der EM in Russland, und konnte unter anderem bei seiner einzigen Teilnahme an einem Boulder-Weltcup den ersten Platz in Hall einheimsen.
Jüngster Teilnehmer steht ganz oben
Schlussendlich musste sich der 20-jährige Hukkataival im Finale von Birmingham dann David Lama geschlagen geben, der mit acht Versuchen zwei Versuche weniger benötigte, um alle vier Boulder zu toppen. Der Österreicher ist damit der jüngste Boulder-Europameister in der Geschichte des Wettkampfkletterns, und gleichzeitig der erste Doppel-Europameister (Lead und Bouldern).
Hinter Silbermedaillen-Gewinner Hukkataival platzierte sich der tschechische Superstar Tomás Mrázek auf Platz drei - er schaffte dabei "nur" zwei Tops. Dahinter folgten die beiden Russen Dmitry Sharafutdinov auf vier und der amtierende Boulder-Weltmeister Salavat Rakhmetov auf fünf; Stephane Julien (FRA) wurde Sechster.
Danion schafft als Einzige alle Finalboulder
Im Damenfinale hatte die Französin Juliette Danion den besten Lauf, und konnte als Einzige alle vier Boulder (in zwölf Versuchen) toppen. Die 25-Jährige, 2006 Gesamtzweite im Boulderweltcup, verwies damit die amtierende Weltmeisterin Olga Shalagina (UKR) auf Rang zwei; Olga Bezhko (UKR) folgte auf dem Bronzeplatz. Die weiteren Platzierungen: Natalija Gros (SLO) auf vier, Tatiana Tarasova (RUS) auf fünf, und Sabine Bacher (AUT) auf Rang sechs.
Weitere Infos
Alle Infos zur EM 2007 in Birmingham sind auf der Mountains2b-Sonderseite "Boulder-EM 2007" veröffentlicht. Die vollständigen Ergebnislisten sind auch an diesen Text angehängt. Unter www.ifsc-climbing.org finden Sie Fotos von der EM 2007.