Boulder-Weltcup Erlangen: Aus Sicht von Markus Hoppe
Markus Hoppe am 16.04.2007 - 13:00 Uhr
Ein erklärtes Ziel des Deutschen Alpenvereins (DAV) war es, im Bereich Sport- und Wettkampfklettern eine internationale Veranstaltung pro Jahr nach Deutschland zu holen. So wurde Erlangen - im Herzen der Fränkischen Schweiz, einer Hochburg des deutschen Kletterns - Schauplatz der ersten Veranstaltung im Boulder-Weltcup 2007.
Aus deutscher Sicht hatte sich der gesamte Nationalkader Bouldern, bestehend aus Jonas Baumann, Aric Merz, Peter Würth, Karsten und Andre Borowka, sowie Markus Hoppe, unter die 90 Aktiven gemischt. Komplettiert wurde das deutsche Starterfeld durch Juliane Wurm (Deutsche Meisterin 2006), Sonja Schade (Deutsche Vizemeisterin 2006) und den aus Nordrhein-Westfalen angereisten Thorsten Schult.
Qualifikation
Die Qualifikation wurde im so genannten Intervall-System angegangen: sechs Minuten Kletterzeit, sechs Minuten Pause, und insgesamt sechs Boulderprobleme gilt es in diesem Stil zu meistern.
Die Routensetzer hatten ganze Arbeit geleistet - von Boulder 1, dem klassischen "Einstiegsproblem", bis Boulder 5 stiegen die Schwierigkeiten kontinuierlich an. Es galt struktur- und reibungsarme, auf die Wand aufgesetzte Halbkugeln und Prismen zu pressen, sich in Verschneidungen zu stemmen, um Kanten zu mogeln... Bouldern in Reinkultur.
Den Abschluss bot mit Boulder 6 ein eher "leichtes" Problem, das im ersten Versuch geklettert werden musste. Vier Boulder im Flash beziehungsweise in wenigen Versuchen waren die Eintrittskarte in die nächste Runde der besten 20. Diese lösten Jonas Baumann, Peter Würth und Markus Hoppe. Leider ausgeschieden waren André Borowka (Platz 31), Aric Merz (Platz 32) und Karsten Borowka (Platz 44). Bei den deutschen Damen schaffte leider nur Sonja Schade den Sprung ins Halbfinale.
Halbfinale
Vier Boulder in je sechs Minuten stellen die nächsten Hürden auf dem Weg ins Finale der besten Sechs dar.
Bereits der erste Boulder stellt fast alle Teilnehmer vor ein schier aussichtsloses Problem. Boulder 2 schlägt da nicht minder zu Buche, jedoch gelingt Jonas dieser Boulder auf Anhieb. Was diese Begehung wert war, konnte in diesem Moment jedoch noch niemand abschätzen. An Boulder 3 scheiden sich ebenfalls die Geister - das Frankenjura-Problem schlechthin. Markus gelingt es mehrmals bis zum letzten Griff zu klettern, das "Top" bleibt ihm jedoch verwert.
Im letzten Boulder des Halbfinales wehrt sich eine sehr anspruchsvolle, trickreiche Kantenkletterei lange den Anstürmen potentieller Finalkandidaten. Nach dieser sehr anspruchsvollen Runde steht fest: endlich hat es auch wieder ein deutscher Starter ins Finale geschafft, Jonas Baumann. Mit einem Flash und dem Erreichen von zwei weiteren Zonengriffen sicherte er sich Platz sechs. Markus beendete den Wettkampf mit einem sehr guten elften Platz, Peter Würth erreicht Platz 18. Bei den Frauen musste Sonja Schade der anstrengenden Vorrunde und den sehr athletischen Bouldern des Halbfinales Tribut zollen und beendet ihren Auftaktweltcup mit Platz 19.
Finale
... nach diesem anstrengendem Halbfinaldurchgang weitere vier Boulder! Diesmal versuchen sich die einzelnen Starter nach einander an Boulder 1, und wieder stehen ihnen maximal sechs Minuten zur Verfügung. Hat der erste Kletterer seine Versuche beendet, beginnt der Zweite seine Versuche am selben Problem, nach ihm der Dritte, und so weiter, bis der letzte Boulder erreicht ist.
Der erste Finalboulder... rein optisch ein "machbares" athletisches Problem an runden und teils sehr abschüssigen Griffen. Jonas hat dabei sichtlich Probleme. Die rechte Variante fehlt bei den ersten Versuchen und erst im dritten Versuch gelingt der Durchstieg. Die meisten der anderen Finalisten bewältigen das Problem souverän auf Anhieb.
Doch schon Boulder 2, ein extrem komplexes Sprungproblem, bringt die Wende: Jonas gelingt als Einzigem der Durchstieg im ersten Versuch, und damit legt er den Grundstein für seine spätere Platzierung. Boulder 3, bei dem, außer von Jonas, durch keinen Finalisten auch nur der Zonengriff erreicht wurde, wird lediglich vom späteren Sieger, dem Ukrainer Shalagin, geklettert... und das im Flash!
Boulder 4 gelingt allen Aspiranten im ersten Versuch und bietet so einen schönen Abschluss dieses Durchgangs. Mit seiner hervorragenden Leistung in diesem Wettkampf erreicht Jonas Baumann, hinter Kilian Fischhuber (AUT) auf Platz zwei, einen ebenso hervorragenden dritten Platz. Der, ganz nebenbei bemerkt, gleichzeitig die beste je erreichte Platzierung eines deutschen Boulderers bei einer Weltcup-Veranstaltung darstellt!
Fazit
Eine, durch das Engagement des Veranstalters und vieler Helfer, sowie der guten und sehr guten Platzierungen der deutschen Teilnehmer, rundum gelungene Veranstaltung, die Lust auf mehr macht...