
Claudia Künzel
Interview mit Claudia Künzel
M2b Redaktion am 13.07.2007 - 13:09 Uhr
Mit mehreren Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften ist Claudia Künzel eine der erfolgreichsten deutschen Skilangläuferinnen der Gegenwart. Im
LEKI Nordic Walking Expertenforum beantwortet sie folgende Fragen.
Frage: Wie oft und seit wann betreibst Du Nordic Walking?
Claudia Künzel: Wir betreiben nicht das klassische Nordic Walking, sondern eine schnellere Version davon. Dabei laufen wir die Berge sehr zügig hoch, mitunter wird auch oft gesprungen und wenn es flach wird, dann joggen wir. Dies machen wir 2-3 mal die Woche. Das bedeutet, ca. 20 % vom gesamten
Training. Wir praktizieren diese Form des Trainings seit über 15 Jahren.
Frage: Hat Nordic Walking im Laufe der letzten Jahre auch im Leistungssport einen Stellenwert eingenommen?
Claudia Künzel: Wie gesagt, das klassische Nordic Walking weniger. Die gesprungene Form und dadurch für uns Profis effektivere Form, schon. Man kann es immer trainieren, auch wenn es regnet oder sehr kalt oder sehr warm ist und vor allem braucht man bloß Natur und natürlich Stöcke.
Frage: Wie wird Nordic Walking als Ausgleich eingesetzt?
Claudia Künzel: Nordic Walking in unserer Sportart ist weniger Ausgleich, als festes Trainingsmittel. Man kann es zur Regeneration, als auch zum Formaufbau verwenden. Hier werden einfach die Intensitäten selbstständig gesteuert.
Frage: Zu welcher Jahreszeit setzt Du Nordic Walking ein?
Claudia Künzel: Das Beste an Nordic Walking ist, dass man es immer trainieren kann, solange der Schnee nicht zu tief ist. Im Sommer als auch im Winter. Man kann sich mit Nordic Walking in absolute Topform bringen, indem man die Intervallzeiten verkürzt und bei jedem Berg an seine körperliche Grenze geht (Anm. der Redaktion: nur für Geübte mit vorherigem Gesundheitscheck) oder man baut sich eine Grundkondition auf, indem man ruhig über 2 Stunden läuft. Ich trainiere es hauptsächlich im Sommer.
Frage: Welchen Stellenwert hat Nordic Walking in deiner Disziplin Langlauf?
Claudia Künzel: Wir benutzen Nordic Walking, um unsere Form zu steuern. Es gliedert sich zu gleichen Teilen wie Rollerskitraining, Radtraining oder Cross- und Skitraining ein. Dadurch kann man bei uns allerdings nicht von allgemeinem Wohlbefinden, abschalten oder Stressbewältigung reden, sondern von einer Form des besonders harten Trainings. Wir trainieren es technisch auch langlaufspezifischer, um die Balance zu unserer Wintertechnik nicht zu verlieren. D.h., die oft gelehrten, besonders gestreckten Arme findet man hier nicht, als auch lächelnde Gesichter. Aufgrund dieser harten Intervallmöglichkeiten nimmt Nordic Walking einen sehr großen Stellenwert in unserem Aufbautraining ein.
Frage: Statements, inwiefern Nordic Walking auch für Leistungssportler Sinn macht.
Claudia Künzel: Beim klassischen Nordic Walking sind die Intensitäten für den bereich Leistungssport zu gering. Wir reden eher von Sprüngen mit Stockeinsatz. Das macht dann auch Sinn für unsere Wettkampfvorbereitung, um Schnelligkeitstraining zu trainieren. Auch in Bezug auf andere Ausdauersportarten macht Nordic walking Sinn. Es ist gelenkschonend und man kann seine Intensität selber sehr gut steuern.
Frage: Kannst Du uns noch einen Trainingstipp geben?
Claudia Künzel:
Trainingstipp, um seine Ausdauer zu verbessern:
- Im Pulsbereich zwischen 120 und 140 um die 2 Stunden laufen. Für Ungeübte etwas kürzer die ersten 2-3 Wochen, aller 10 Tage 10 min steigern, dabei ein angenehmes Laufgefühl aufbauen, nicht zu schnell werden oder verkrampfen.
Trainingstipp, um die allgemeine Form zu verbessern (empfehlenswert nur für Fortgeschrittene, welche bereits 2 Stunden ohne Probleme durchhalten):
- Am Berg den Puls auf 160-180 bringen (ca. 1:30 min) und dann locker wieder nach unten laufen und wenn der Puls unter 150 ist, wieder hoch. Je schneller man läuft und je höher der Puls ist, desto kürzer wird die Trainingseinheit. Wenn man am Berg hoch alles gibt, empfehle ich bloß eine halbe Stunde insgesamt. Dabei gut aufwärmen nicht vergessen.
- Allgemein gilt zu beachten, dass die Herzfrequenz individuell jeweils unterschiedlich ist. Hier ist eine ärztliche Beratung bzw. ein Gesundheitscheck absolut empfehlenswert!
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