
Herwig Rust
Interview mit Herwig Rust
Leki am 09.07.2007 - 15:39 Uhr
Herwig Rust, Sportlehrer an der Realschule Feuerbach, hat Erfahrungen mit Nordic Walking und Kindern gemacht. Im Interview weiß er Folgendes zu berichten.
Frage: Wie oft und seit wann betreiben Sie Nordic Walking?
Antwort Herwig Rust: Ich bin vor etwa fünf Jahren zum Nordic Walking gekommen, als meine Freundin Stöcke von einem Bekannten ausgeliehen hatte. Ich habe es dann auch ausprobiert und fand die Sportart gut, um gemeinsam mit meiner Freundin Sport zu treiben. Das Schöne am Nordic Walking ist, dass man so flexibel ist. Man braucht keine festen Zeiten, keinen Verein, keine bestimmte Strecke, das Wetter ist eigentlich auch egal. Und vor allem kommt die Kommunikation nicht zu kurz. Egal ob man zu zweit oder mit mehreren Personen unterwegs ist, man kann sich auch bei größerer Anstrengung noch gut unterhalten.
Frage: Gibt es deutliche Entwicklungen, die Nordic Walking im Laufe der letzten Jahre, speziell im Schul- und Vereinssport gemacht hat?
Herwig Rust: In den Vereinen erlebt Nordic Walking einen regelrechten Boom. Kein Verein, der nicht mindestens eine Nordic Walking Gruppe hat. In weiten Teilen des Schulsport war und ist Nordic Walking allerdings nur eine Randerscheinung. Bei uns an der Realschule in Baden Württemberg hat sich aber durch die Bildungsplanänderung im Fach Sport einiges getan. Wir bieten jetzt in den Klassen 9 und 10 koedukativ sowie klassen- und jahrgangsübergreifend Sport in Neigungsgruppen an. Dadurch können sich Randsportarten bzw. Sportarten, die bisher keine Rolle im Schulsport gespielt haben, etablieren. So auch Nordic Walking. Wir bieten in den Neigungsgruppen "Fitness" und "Trendsportarten" Nordic Walking seit drei Jahren an. Und die gemachten Erfahrungen sind durchaus positiv.
Frage: Welchen Stellenwert hat der soziale Aspekt im Nordic Walking erreicht?
Herwig Rust: Der soziale Aspekt hat im Nordic Walking einen hohen Stellenwert. Ich sehe zwar in Nordic Walking auch weiterhin eine Individualsportart, die ich ohne Partner, Gruppe oder gar Verein jederzeit und an jedem Ort als Ausgleichssport, zur Erhöhung der Fitness oder zur Entspannung durchführen kann. Allerdings zeigen mir die Erfahrungen im Schulsport, dass der Sport in der Gruppe unheimlich viel Spaß macht, weil die Kommunikation sehr hoch ist und das gemeinsame sportliche Erlebnis an der frischen Luft und in der Natur eine seltene Erfahrung unserer Schüler in einer hoch technisierten Welt ist.
Frage: Welche Entwicklungschancen sehen Sie im Bereich Schulsport und beim Nordic Walking mit Kindern allgemein?
Herwig Rust: Für Nordic Walking sehe ich im Schulsport zweierlei Entwicklungsmöglichkeiten. Zum einen kann die Sportart gerade in Neigungsgruppen kleineren Schülergruppen zugänglich gemacht werden, die dadurch diesen Sport kennen lernen können und so die Vorteile wie Kommunikation im Sport, das Naturerlebnis, schnelle sportliche Erfolge für weniger Begabte, aber auch sportliche Herausforderungen durch entsprechende Differenzierung erleben. Zum anderen kann Nordic Walking auch im Bereich des Gesundheitssports in der Schule eingesetzt werden. So werden wir an unserer Schule ab dem nächsten Jahr eine AG für adipöse und koordinativ schwache Schüler anbieten, in der wir gerade mit Nordic Walking versuchen wollen, die koordinativen Fähigkeiten der Schüler zu verbessern sowie deren Körpergefühl und deren Einstellung zum Sport zu sensibilisieren.
Frage: Gibt es vielleicht eine Geschichte aus ihrem Alltag zum Thema Nordic Walking?
Herwig Rust: Eine wunderbare Erfahrung, die ich gerade wieder bei der letzten Nordic Walking Tour mit meinen Schülern gemacht habe, wiederholt sich häufig. Keiner der Schüler hatte bisher eigene Erfahrungen mit der Sportart gemacht, sie kannten sie nur vom Sehen. Gefragt nach ihren Assoziationen zum Nordic Walking sagten sie: "Langweilig", "für alte Menschen", "nichts für mich".
Nach zwei Stunden Nordic Walking sahen sie das anders. Sehr erschöpft, aber auch sehr zufrieden mit ihrer sportlichen Leistung gab es nur positive Rückmeldungen und es war keine Rede mehr von einem langweiligen Sport.
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