Specials Themenspecials NW - Expertenforum

Stephan Popp

Interview mit Stephan Popp

M2b Redaktion am 11.07.2007 - 12:23 Uhr

Zum Thema Nordic Walking mit Kindern war unser Experte Stephan Popp bereit, einige Fragen zu beantworten. Dabei kann er auf seine langjährige Erfahrung mit dem Nordic Walking zurückgreifen.

Frage: Wie oft und seit wann betreiben Sie Nordic Walking?
Stephan Popp: Ich selbst betreibe Nordic Walking, schon seit circa 20 Jahren, allerdings anfänglich unter dem einfachen Namen Skigang, wobei man zugeben muss, dass der Skigang schon etwas anderes ist als Nordic Walking, aber nichtsdestotrotz kommt Nordic Walking ja ursprünglich aus dem Skandinavischen Skisport. Da ich meine Freizeit vorwiegend mit Kindern und deren Training und Vorbereitung auf den Skilanglauf verbringe, haben wir wöchentlich mehrmals mit dem Nordic Thema zu tun. In der Vorbereitungszeit etwas weniger, sobald es in Kraft- und Ausdauereinheiten geht, etwas mehr. Zusätzlich arbeite ich auch im Nordic Walking Breitensport mit Erwachsenen sowohl im Einsteiger, als auch im speziellen Fortgeschrittenen- Bereich. Somit sind doch schon viele Jahre und ein breites Spektrum an Stunden zusammen gekommen.

Frage: Gibt es deutliche Entwicklungen, die Nordic Walking im Laufe der letzten Jahre, speziell im Schul- und Vereinssport gemacht hat?
Stephan Popp: Gekommen ist Nordic Walking wie ich bereits erwähnte aus dem Leistungssport Skilanglauf, anfänglich belächelt wurde Nordic Walking zum "Hausfrauensport" degradiert. Durch den Einstieg vieler Krankenkassen, die Nordic Walking zur Prävention machten, stieg natürlich auch das Interesse der Männer und es bildeten sich Gruppen und Abteilungen in Vereinen. Dieses wiederum förderte durch die Gruppendynamik auch den Schönwetterläufer mehr und mehr, auch bei schlechterem Wetter zum Laufen zu gehen, somit kann man sagen, dass Nordic Walking einfach immer und überall für jeden Verein zu betreiben ist. In den Schulen sind die ersten Ansätze getätigt, allerdings ist hier noch immer der langweilige Nordic Walking Sport dargestellt, dieses ist eine sehr schlechte Grundlage für die Förderung von Nordic Walking mit Kindern, deshalb sollte es unser Ziel sein, Nordic Walking mit Spaß und Vielfalt an die Kinder zu bringen. Die Entwicklung bisher ist sehr positiv zu sehen, nun gilt es vor allem für die Vereine gute Übungsleiter zu finden, die das "geile" Nordic Walken vermitteln können!

Frage: Welchen Stellenwert hat der soziale Aspekt im Nordic Walking erreicht?
Stephan Popp: Für die Arbeit mit Kindern ist es deshalb interessant, da niemand sofort an seine Leistungsgrenzen stößt und dadurch ausgegrenzt wird, was man in verschiedenen Situationen mit Kindern ja immer wieder hat. Hier besteht vor allem die Möglichkeit, Neueinsteiger, die nicht so geübt sind, gut in eine Gruppe und ein Training zu integrieren. Die Gruppe, die hier zusammenwächst, hat natürlich ihren Spaß und das Wir- Gefühl wird gestärkt und bindet diese Gruppe. Diese Stärkung hilft und motiviert somit auch bei anderen Trainingseinheiten die etwas mehr fordern.

Frage: Welche Entwicklungschancen sehen Sie im Bereich Schulsport und beim Nordic Walking mit Kindern allgemein?
Stephan Popp: Ein sehr wichtiger Punkt ist Spaß. Diese Sache ist für Kinder an wesentlich andere Voraussetzungen geknüpft als bei Erwachsenen, und fordert eine ganz andere Denkweise, und diese müssen die meisten Übungsleiter im Gegensatz zum Erwachsenentraining verändern.
Außerdem Abwechslung: Nicht wie beim Erwachsenen am besten einen breiten Weg oder immer das gleiche, damit ich genau weiß, wann bin ich zurück, sondern mal was anderes! Erlebnis steht im Vordergrund, Einfallsvermögen und Flexibilität sind gefragt, um Kindern Abwechslung zu bieten, somit komme ich wieder zum Spaß und zum "geilen" Nordic Walken.
Egal ob jünger oder älter eine gewisse Herausforderung möchte jeder haben, sie sollte nur - und das ist bei Nordic Walking möglich wie bei fast keiner anderen Sportart - an das Kind angepasst ablaufen, dann wird Nordic Walking auch zum Erlebnis.
Motivation durch Erfolge: Nordic Walking mit Kindern im Breitensportbereich sollte nicht den Erfolg aufgrund einer guten Zeit sein, sondern der Erfolg sollte das Erlebnis in der Gruppe sein, und eventuell die Überwindung einer schwierigen Passage, zum Beispiel in Verbindung mit einem Balance-Akt auf einem Seil, somit verbindet man viele wichtige Dinge miteinander und schafft den Erfolg, der zur Motivation führt, auch wenn es kein Hochleistungssport ist.
Die koordinativen Fähigkeiten sind in jeder Sportart, wie mittlerweile auch im Berufsleben unabdingbar. Gerade hier ist Nordic Walking in vielen Punkten hervorragend für die sportliche Grundausbildung in Sachen Koordination geeignet, vor allem gibt es hier keinen zu frühen, sondern viel mehr einen zu späten Beginn mit unseren Kinder.

Frage: Gibt es eventuell noch eine Alltagsgeschichte oder Erfahrungen aus Ihrer Gruppenarbeit, die das Thema abrunden?
Stephan Popp:? Ja klar: Jammern hilft nicht, wir müssen was tun, um damit unseren Kindern zu zeigen, dass Bewegen Spaß macht, ihnen nicht ständig sagen, was falsch ist, sondern als Vorbild mit ihnen das Richtige tun, diese Zeit sollte jeder haben!



  Zurück
Social Bookmarking:
Linktipps: Google, Amazon, ebay
Anzeige
Anzeigen
Google Anzeigen