Geduldsspiel "Paciencia": Steck und Siegrist eröffnen schwierigste Eigerroute
M2b Redaktion am 04.09.2008 - 09:23 Uhr
Die beiden Schweizer Ueli Steck und Stephan Siegrist haben in der Eigernordwand eine neue Route zum ersten Mal frei geklettert. Schon der Name dieser Route sagt alles darüber aus, was die beiden für einen Aufwand für diesen Erfolg betreiben mussten. "Paciencia" ist das spanische Wort für Geduld und steht bei dieser ersten freien Begehung vor allem für die lange Zeit, die zwischen der Bohrung im Sommer 2003 und dem Erreichen des Ziels am letzten Augustwochenende 2008 verstrichen ist.
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Erfolg trotz schlechter Vorrausetzungen
2001 waren Stephan Siegrist und Raul Bayard diese Meter noch nicht geschraubter Wand aufgefallen. Die Erinnerungen an den Sommer 2003, in dem sich Steck und Siegrist zwei Jahre später die Wand als Ziel zurechtgebohrt hatten, verblassten nun schon so langsam. Fünf Jahre zwischen dem Einbohren und dem endgültigen Durchstieg waren eine lange Zeit und auch in diesem Sommer schien zunächst alles gegen einen Triumph der beiden über die extrem lange Route zu sprechen. Schon im August fiel der erste Schnee und die Hoffnungen waren beinahe schon aufgegeben, als Ende August die Sonne noch einmal zurückkehrte und für eine zwei Tage trockene Wand für die beiden Extremkletterer sorgte.
Schnee in den letzten Seillängen
Freitag, der 29. August, war dann der goldene Tag nach den ewigen Vorbereitungen der beiden Extremkletterer. Obwohl die letzten Seillängen noch Schnee am Berg vorweisen konnten, machten sich Steck und Siegrist auf, die Route zu erobern. Um neun Uhr morgens begann das Abenteuer und nach zwölf Stunden konnten die Athleten sich etwas Ruhe gönnen. Am kommenden Samstag lagen nur noch wenige Seillängen vor ihnen. Auch wenn ihnen auf den höchsten davon noch Schnee das Leben schwer machte, konnten Steck und Siegrist um 13 Uhr den Tschechenpfeiler erreichen und ihr Vorhaben damit für beendet erklären.
Steck bei Schwierigkeiten im Vorstieg
Nicht weniger als 23 (Freitag 16, Samstag 7) Seillängen warteten darauf, von den beiden zurückgelegt zu werden. In abwechselnder Führung kletterte sie sich nun durch die Wand, wobei Steck die schwierigeren Passagen im Vorstieg übernahm: zwei Mal handelte es sich dabei um 7c+ und einmal um 8a, alle übrigen Abschnitte ordneten sie zwischen 7a und 7b+ ein. Wie Ueli Steck auf seiner Homepage betont, sind die beiden "immer wieder in den letzten Wochen in die Wand gegangen." Diese gründliche Vorbereitung hat sich mit Stecks nächstem großem Erfolg - nach dem Speed-Rekord an der Nordwand - bezahlt gemacht.